Von Magnet United zu Berlin United
Wird Kleinfeld-Fußball bald olympische Sportart?

Im Sommer war es das Highlight der sonst eher tristen EM 2004: Das Magnet United Club Cup Turnier, bei dem 77 Mannschaften, darunter die auch viele Promis von K-Paul (Lexy & K-Paul), Modemacher Murkudis, Mijk van Dijk mit Martha BSC und noch viele andere mitspielten. Die Kombination von Party und Fußball wird bis zur WM 2006 sowieso die Stadt noch beschäftigen – das größte Fest veranstaltete die Crew vom 1.FC Schönbrunn Unvergessen ist das große Finale um die begehrte Trophäe, das zu den Höhepunkten der Berliner Kleinfeld-Fußballhistory gehört. Energie Rabauken, ausgerechnet eine Mannschaft, die genaugenommen gar nicht aus Berlin, sondern aus Falkensee kommt, gewann in der Verlängerung gegen den Vorjahressieger Hotspotclub mit 2:1 und wurde von ihren Fans umjubelt wie nie zuvor. Stephan Dau, der Veranstalter von Kinonächte am Pool, diesen Sommer nicht unbedingt vom Wetter verwöhnt, hatte einen harten Tag und gratulierte den Underground-DJs zu ihrem Erfolg. Es war das Duell zweier unterschiedlicher Giganten. Die abgerissenen Underdog Underground DJs gegen die cool aufspielenden Popper aus Wilmersdorf, die immer noch einen Superkenianer (oder nigerianer? – bei Nacht sind alle Spieler schwarz?) auf der Bank haben, wenn es mal eng wird. Der Sieg wurde ausgiebig gefeiert. Erst von einem 030 Leser, der das Videomaterial der Fernsehberichterstattung sah, kam der Hinweis: „Das Tor war nicht regulär. Es hätte nie gegeben werden dürfen“. Da aber seitens Hotspotclub kein Protest eingelegt wurde, blieb der Club Cup in Falkensee. Tatsächlich durfte der Ball nach dem Regelwerk vom Torwart beim Abwurf nicht über die Mittellinie geschleudert werden, was beim Siegtreffer eindeutig der Fall war.

Danach ging so einiges schief und zu Bruch bei Magnet United. Eigentlich war – 030 berichtete- ja geplant zur Popkomm eine Veranstaltung namens Magnet United Supercup im Stadtbad Prenzlauer Berg in der Oderberger Strasse zu veranstalten. Die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren und Sponsoren waren auch schon da. Volkswagen und Puma wollten das Projekt unterstützen. Zur 10 Jahres 030 Party sollte die Werbekampagne im Rahmen der Clubolympics starten. Doch zu diesem Zeitpunkt waren die Logos und Anzeigen noch nicht fertig und der Termin wurde immer knapper, so dass die Veranstaltung erstmal abgesagt wurde. Auch waren sich die Macher untereinander nicht mehr einig, wie es weitergehen sollte. Traurig war man bei Magnet United auch, dass eine Kooperation mit der Messe Berlin nicht wie gewünscht stattfinden konnte. Diese veranstaltete lieber ihr eigenes Turnier veran: den Popkomm Soccer Cup, der tatsächlich auf dem historischen Magnet United Spielfeld stattfand. Für den Popkomm Soccer Cup wurde eigens ein Rasen in der Kulturbrauerei angelegt und der FC Gigolo mit DJ Hell gewann gegen den 1 FC Ufo in einem dramatischen Finale mit 3:1. Initiiert hatte das Spektakel die Medien-Liga rund um Bülent Bayran, der das Restaurant Modellhut betreibt und mit dem selbstgekrönten Magnet United Präsident Jörg Schumann seit Jahren „unterschiedlicher Meinung“. Auch die anderen Magnet United Macher waren nicht beeindruckt vom Popkomm Soccer Cup. Einen gewissen Kultstatus genießt allerdings inzwischen das Nike Scorpio Spielsystem. Bis 2003 stand es ausgemustert im Nike Park auf dem Gelände, das als Baugrund für das neue Gebäude des Verfassungsschutz im Gespräch ist. Dann wurde es von Schumann und Freunden abgebaut und im Polar TV für den ersten Club Cup verwendet. Dieser machte im Jahr 2003 einen erheblichen Verlust, so dass Schumann und sein Partner damaliger 24/7-Pizzaservice Geschäftsführer Stefan S. das Spielsystem an das Polar TV übereigneten. Dirk Werthmann, der Chef des Polar TV, hilft nun, wo er kann und stellt das Spielsystem Turnieren wie dem Popkomm Soccer Cup oder Magnet United gegen Auf- und Abbaugebühr zur Verfügung. Sogar als Eisbahn ist es schon mal im Gespräch gewesen. Einen solchen Werbeeffekt hatte der Ami-Sportausrüster sich bestimmt nicht mal erträumt, als er das alte Spielfeld abstellte.Als das Magnet United Turnier im September platzte gab es erhebliche Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Laarmann und Schumann und zwischen Laarmann und einer Kreuzberger Werbeagentur, die Magnet United vertreten hatte. So ging man erst einmal getrennte Wege und jeder plante eigene Fußballaktivitäten.


BERLIN UNITED G-CUP

Nun ist es wieder soweit. Nach Wochen der Diskussionen und des Streits soll endlich wieder Fußball gespielt werden. Magnet United Club Cup Macher Jürgen Laarmann tat sich mit MC Schäumer (FC 45) zusammen. Zuvor hatte Radio Twen FM, der neue beliebte Berliner Underground Sender eine neue Fußballsendung gestartet: „Radio Galaktico“, bei der auch der alte Eintracht Frankfurt Fan und Laarmann Freund Wolfgang Renner (FC Schneeweiß) mitmoderierte. Laut Aussagen des Senders zeigten sich sowohl Premiere als auch die Deutsche Fußball Liga an dem Format „Pop und Fußball“ zu verbinden sehr interessiert und eine Radioübertragung zu lancieren. Anlass für „Radio Galaktico“ war das private Tippspiel Galakticos auf www.kicktipp.de, was 030 zur Europameisterschaft lanciert hatte. Dabei machten diverse Szenepromis mit, insbesondere DJ Westbam, Mijk van Dijk und Dixon sowie Hero Hawks Grunert (Ex-Frontpage Events/Fumakilla Booking) lagen dabei weit vorne. Später wurde das Tippspiel von Laarmann und Freunden privat weitergeführt. Darüberhinaus trat kurz vor Redaktionsschluss Off-Pop Producer und Szene Legende Mirco D. vom WM Studio Mitte mit Laarmann in Kontakt – die beiden verstanden sich auf Anhieb. Die Idee von Berlin United ist – Differenzen auf dem Fußballplatz im Rahmen einer fairen Party auszutragen. Eingeladen werden die Mannschaften, die sich um die Sportart besonders verdient gemacht haben. Denn Fußball mit 4 Spielern ist definitiv eine neue Variante des Volkssports Nummer 1. Auch Uwe Reineke (Ex-Magnet United Turnierleiter) träumt davon, dass Kleinfeldfußball im Jahr 2020 einmal olympische Sportart wird. Denn das Spiel ist, - anders als der echte Amateurfussball auf dem großen Feld – zu jeder Sekunde wirklich spannend. Laarmann hatte nach den Erfahrungen des Magnet United Club Cups das Regelwerk permanent verfeinert und ihm den Namen G-Football gegeben. Das G bedeutet genau das gleiche wie das G beim G-Punkt. G steht für die Essenz des Spiels. Auf einem Feld, was ca. 10-15 m breit und 20-25 m lang ist findet praktisch eine permanente Strafraumszene statt. Außerdem ist es für Amateure und Institutionen leichter eine Mannschaft mit 4 statt mit 11 Spielern zusammenzubekommen. Spannender anzusehen ist es allzumal. Und so werden beim Berlin United Finale im Dezember in Huxleys neuer Welt auch einige Showmatches stattfinden, die schon allein der Namen nach hochkarätig und spannend sind. Heiß erwartet wird das Rematch zwischen Rabauken und Hotspotclub, Deutsch Magazin vs. Magnet Mitte sowie ein angesetztes Spiel zwischen 030 Magazin und TIP. Zum Redaktionsschluss werden gerade die Einladungen versandt, so dass wir erst in der nächsten Ausgabe die genauen Partien bekannt geben können. Schon zum Magnet United Club Cup durfte jede Mannschaft in den 2 x 4 Minuten Partien für eine Halbzeit den Sound bestimmen. Dieses musikalische Konzept ist nun verfeinert werden. Im Februar soll dann das Konzept des Magnet United Supercups statt im Stadtbad Oderberger im Huxleys stattfinden und es wird einzelne Branchencups geben sowie die bereits für September 2004 angekündigte Lancierung der Future of Football Awards. Geplant ist außerdem eine Compilation mit den besten Fußball-Songs. Hier munkelt man, dass Gabi Delgado (DAF/Playstation) einen Track geschrieben namens „Die Zukunft des Fußballs ist feminin“ geschrieben hat. Das gilt für G-Football allemal. Mixed Teams und Frauenteams sind ausdrücklich erlaubt und erwünscht. Doch auch vom anderen Part von DAF Robert Görl gibt es Fußballnews. Er fordert Delagado (der bei manchen als der bisher grö.ßere Fußballfan galt) mit einer eigenen Mannschaft heraus. Görl: „Auf diese Weise sollten Kriege ausgetragen werden.“ Auch andere Mannschaften von Promis planen dem Vorbild der Techno-Ikone zu folgen.